WAS TUT MAN, WENN MAN DEN ANSCHLUSS VERLIERT? DIE ABHÄNGIGKEIT VOM INTERNET.

In Christian Linkers neuem Thriller ›Influence – Fehler im System‹ geht der Autor der einfachen und zugleich sehr komplexen Frage nach, was mit der Gesellschaft passiert, wenn das Internet von der einen auf die andere Sekunde zusammenbricht. Was für Auswirkungen kann das auf uns als Gesellschaft haben, wenn auf einmal nichts Technisches mehr funktioniert? Wer dies nachlesen möchte, der sollte auf jeden Fall einen Blick ins Buchwerfen.

Doch was für Einflüsse hat das auf mich als Einzelperson? Wie abhängig bin ich als Individuum vom World Wide Web? Nach der Lektüre bin ich dieser Frage einmal näher nachgegangen und meine Abhängigkeit scheint demnach größer zu sein als zunächst gedacht, doch lest selbst:

05:55 Uhr, der Wecker klingelt. Natürlich auf dem Smartphone, wer braucht bei den vielen verfügbaren Apps schon noch einen altmodischen Wecker? Außerdem diese nervigen Geräusche, die diese Dinger immer gemacht haben. Grässlich, da hör ich doch lieber den Titelsong meiner liebsten TV-Serie, viel angenehmer. Doch irgendwas ist heute Morgen anders als die letzten Tage, es ist nicht eine einzige neue Benachrichtigung auf dem Smartphone aufgeploppt. Normalerweise ist über die vergangene Nacht doch mindestens eine Nachricht eingetrudelt und eine Eilmeldung aus den Medien gibt es doch auch immer. Doch heute? Nichts, nada. Irgendwie schön, wenn man nicht erst alles checken muss, was so passiert ist, und doch beunruhigt es mich etwas, nicht zu wissen, was so los ist, dabei ist es doch erst kurz nach 6 Uhr am frühen Morgen.

Sei es drum, das wird sich wieder einpendeln, denke ich mir und mache mich fertig für die Arbeit. Jetzt noch kurz checken, wie der Weg dorthin aussieht, das Smartphone gezückt, Google Maps geöffnet und wieder geschlossen. Keine Funktionalität, keine Verkehrsinfo. Fährt man eben auf gut Glück los. Da es noch früh ist, ist kaum etwas los. Doch aus der erhofften Unterhaltung von Spotify wird nichts, keine Offline-Musik ist geladen und ohne eine funktionierende Internetverbindung gibt es auch keine Musik. Mist! Muss doch das Radio herhalten und siehe da, es gibt eine Meldung, dass nicht mein Internetanbieter Schuld ist, sondern das gesamte Internet anscheinend im Moment nicht funktioniert. Verrückte Welt.

07:20 Uhr, auf der Arbeit angekommen und es gibt kein anderes Gesprächsthema als das nicht funktionierende Internet. Okay, und natürlich der Bürokaffee, der wie immer ganz furchtbar schmeckt, aber das kennt man ja schon. Nach kurzem Meckern über das schwarze Elixier sind wir wieder beim Internet, was offline ist – worüber soll man auch sonst sprechen? In der vernetzten und international agierenden Welt, in der wir uns befinden und in der ich auch arbeite, funktioniert eben nichts ohne das große World Wide Web. SAP? Keine Verbindung zum Server. Netzwerkzugriff auf die nützlichen Dokumente, die man für die Arbeit benötigt? Liegen auf Servern, keine Verbindung. Tja, das wird wohl ein sehr unproduktiver Tag werden. Erst einmal noch einen Kaffee, das wird sich schon wieder einpendeln. Aber Mann, der Kaffee schmeckt ja immer noch nicht …

Spätestens jetzt wird mir aber die gesamte Tragweite der Situation bewusst, denn immerhin bin auch ich jetzt endlich komplett wach. Es funktioniert einfach nichts mehr ohne das Internet bzw. nur mit viel zu viel Aufwand. Man hat sich an den vorhandenen Luxus gewöhnt, man mag ihn nicht mehr missen.

Ich selbst bin natürlich zudem noch als Blogger im World Wide Web zu Hause und dadurch noch abhängiger vom Internet, doch es ist erschreckend, was am Netz hängt. Eingeschränkte bzw. sogar keine Kommunikation mit Freunden und der Familie, denn auch die normalen Kommunikationsnetze sind überfordert. Ein Hauch von Silvester von vor ein paar Jahren hängt in der Luft, als es einfach kein Durchkommen beim Telefonieren gegeben hat.

Aber auch die reine Unterhaltung hängt heutzutage vom Internet ab. Man verlässt sich auf Spotify, iTunes und Co., um Musik zu streamen. Wer hat schon noch klassische CDs oder mp3-Dateien gespeichert? Nehmen nur Platz weg, den man auch mit sinnfreien Katzenbabyfotos belegen könnte.

Filme und Serien? Gibt es doch bei Netflix, Disney+ etc., doch auch die sind natürlich lahmgelegt. Zum Glück gibt es ja noch DVD-Sammlungen von früher und vor allem Bücher.

Ich für meinen Teil bin schockiert, wie viel ich mit dem Internet verbinde und was mir das Internet gebracht hat. Ich mag die Kommunikation über das Internet nicht mehr missen. Über das WWW und den Blog habe ich tolle Freunde gefunden, kann den Blog als Hobby betreiben und mit meiner Familie über große Distanz in Verbindung bleiben. Ich kaufe Kinotickets online, checke für Reisen ein und bin auch auf meiner Arbeit auf das Internet angewiesen. Und jetzt? Ich bin hilflos, muss mich in der neuen Situation zurechtfinden und hoffe einfach, dass das Internet bald zurück ist.

Erschreckend, diese Abhängigkeit, wenngleich ich die Ruhe meines Smartphones ein Stück weit genieße. Man muss nicht immer erreichbar sein und immer alles direkt wissen müssen. Vielleicht sollte ich mir das zu Herzen nehmen und das Smartphone und das Internet auch mal etwas ignorieren lernen, für die innere Ruhe und mich selbst. Lieber greife ich einmal mehr zum Buch, und wer weiß, du ja nach der Lektüre dieses Textes auch? Mach dir doch mal deine Abhängigkeit vom Internet bewusst, leg das Smartphone zur Seite und schnapp dir eine spannende Lektüre. Vielleicht ja sogar ›Influence – Fehler im System‹ von Christian Linker? 😉

Wenn ihr dem Internet hingegen nicht abschwören möchtet und stattdessen neugierig seid und herausfinden wollt, wie digital ihr seid, dann macht den Test und füllt das Instagram-Template aus, welches es auf meiner Instagram-Profilseite in den Stories als Highlight »Bold« zu finden gibt.