WAS MOBBING MIT AUTISMUS ZU TUN HAT – UND WELCHE ROLLE LIEBE DABEI SPIELT

„Für uns macht das Universum Überstunden“ von A. Meredith Walters bedeutet mir nicht etwa so viel wegen der Charaktere oder der Liebesgeschichte, sondern wegen der Thematik, die die Autorin gewählt hat. Denn diese ist so unglaublich wichtig und leider immer noch brandaktuell. Unter Einfluss der sozialen Medien vielleicht aktueller denn je.

Auch ich wurde in der Schule gemobbt. Und A. Meredith Walters Beispiel dafür, wie sehr Mobbing einen Menschen nachhaltig beeinflussen und verändern kann, ist mustergültig. Dass sie es anhand des Beispiels eines Autisten aufzeigt, verdeutlicht die Traumata, die dadurch entstehen können, nur noch mehr. Ich möchte später noch einmal speziell auf das Mobbing von Autisten eingehen, jedoch möchte ich zuerst etwas über Mobbing von Randgruppen / Einzelpersonen erzählen. Denn anhand dieses Buches kann man sehr gut erkennen, warum sich Mobber ein bestimmtes Opfer aussuchen.

Auch ich war damals anders. Ich war für mein Alter schon ziemlich ernst, interessiert an Büchern und mein Gerechtigkeitssinn war sehr ausgeprägt, weshalb ich mich oft vor andere stellte – und somit selbst Opfer von Mobbing wurde. Und sobald diese Menschen einen erst einmal auf dem Radar haben, finden sie immer etwas, um einen fertig zu machen. Man trägt keine Markenkleidung. Dann ist man direkt arm. Man ist Brillenträger. Dann ist man die hässliche Brillenschlange. Wenn man Widerworte gibt, ist man eine Zicke oder wird gleich in den Schrank gesperrt.

Durch das Mobben dieser Person wächst oft ihr Ansehen in der eigenen Clique und macht sie durch das passiv aggressive Verhalten zum Helden, „der ausspricht, was alle anderen denken“. Es gibt viele Gründe, aus denen junge Menschen gemobbt werden können. Ihre Hautfarbe, ihre Herkunft, ihr Gewicht, ihre Figur, ihr Kleidungsstil, ihre Hobbies usw. Wie ihr seht, und vielleicht auch selbst schon erfahren habt, kann man nichts mehr richtig machen, sobald man auf den Radar eines solchen Mobbing-Täters gelangt ist. Denn oft übt die Gruppe ebenfalls Druck auf den Mobbenden aus. Es besteht also die Gefahr, selbst ausgestoßen und gemobbt zu werden, wenn man Schwäche zeigt.

Flynns Erlebnisse und Erfahrungen sind keine Seltenheit. 75% der Jugendlichen erfahren in ihrem Leben eine Form von Mobbing. Ob nun innerhalb einer Gruppe oder als Außenstehender. Doch für Autisten, die Aussagen sehr ernst nehmen und soziale Gepflogenheiten oft nicht verstehen, sieht das Ganze noch deutlich komplizierter aus.

Menschen, die an Autismus erkrankt sind, haben eine neurologische Besonderheit, die dazu führt, dass es zu Schwierigkeiten mit folgenden Verhaltensweisen kommen kann: Soziale Interaktion, soziale Kommunikation und soziales Verständnis. Ebenfalls kann es zu einer abweichenden Wahrnehmungsverarbeitung, ungewöhnlichen Denkweisen und Problemlösungen, speziellen Interessen, repetitiven Bewegungen und zu einem besonderen Bedürfnis nach Routinen führen. All diese Bedingungen sorgen dafür, dass Autismus als Behinderung angesehen wird.

82% der Kinder mit Autismus werden gemobbt. Weil sie anders sind. Die meisten Autisten sind einfach nur freundlich, wollen dazugehören und Freunde finden. Außerdem sind sie oft besonderes interessiert an einer Thematik – in Flynns Fall die Kunst – und versinken in ihrer eigenen Welt. Das macht sie zu leichten Mobbing-Opfern, da sie ohnehin schon Schwierigkeiten haben, soziale Kontakte zu schließen, und zum Beispiel auch nicht verstehen können, wenn jemand sich über sie lustig macht. 

Es gibt 3 Arten von Autismus: den frühkindlichen Autismus, den A-typischen Autismus und das Asperger Syndrom. Der Protagonist Flynn hat das Asperger Syndrom und die damit einhegenden Besonderheiten.

Wenn ihr „Für uns macht das Universum Überstunden“ lest, werdet ihr herausfinden, wie sehr das Buch auf diese Fakten gestützt ist. Schnell gerät man wie Flynn in eine Abwärtsspirale, in der man die Realität nicht mehr von dem eigenen Empfinden unterscheiden kann. Schnell glaubt man als derjenige, der unterdrückt wird auch, man sei schließlich selbst daran schuld, dass andere einen so behandeln. Weil man eben anders ist oder aussieht. Deshalb war es in „Für uns macht das Universum Überstunden“ besonders spannend, die Geschichte aus der Sicht eines Täters mitzuerleben. Und wie dieser Täter langsam realisiert, welche Auswirkungen ein solches Verhalten nicht nur auf das Opfer, sondern auch auf das eigene Leben haben kann. Aber eben auch, dass Menschen immer die Chance bekommen sollten, ihre Fehler wiedergutzumachen und etwas zu verändern, auch wenn der Schaden schon angerichtet ist. „Für uns macht das Universum Überstunden“ handelt eben nicht nur von Opfern und Tätern, sondern auch von Liebe, von Freundschaft, vom Abbitte leisten und davon, dass es nie zu spät ist, sich selbst zu finden. Es geht darum, die Erfahrung zu machen, über sich selbst hinaus zu wachsen und seine Fehler wiedergutzumachen. Es handelt von all den Dingen, die den Menschen ausmachen, vor allem aber davon, verzeihen zu können. Den anderen – und sich selbst.

Ein Beitrag von Ariana von Solaires Stories

Quellenangabe:

https://autismus-kultur.de/autismus/alltag/zwei-von-drei-autistischen-kindern-werden-gemobbt.html