#PERFECTISNOTHAPPY

Wir sind die Generation der Mittleren und späten Millenials, die frühe Generation Z. Aufgewachsen in einer scheinbar heileren Welt mit weniger Einfluss von Internet und Social Media. Wir hatten die vermeintlich glücklichere Kindheit und eine unbeschwerte Jugend. Und trotzdem sind wir heute oft unzufrieden oder gar unglücklich.

Ich habe mich gefragt, woran das liegen mag und bin zu dem Schluss gekommen, dass wir uns und unserem Glück oft selbst im Weg stehen. Denn wir sind die Generation der Planer und die der To-Do-Listen, der vorbestimmten Zeichen und Wege. Man hat uns anerzogen, immer das Ziel im Blick zu haben, hoch hinaus zu wollen, es besser zu machen, als die Generationen vor uns, damit es uns in der Zukunft einmal besser geht und wir erfolgreicher sind. Man hat uns gefördert und angespornt.

Den meisten von uns war und ist bereits in jungen Jahren klar, wohin die Reise einmal gehen soll. Welche Ausbildung wir machen, welches Studium. Ein erfolgreicher Job, der passende Partner, 2,5 Kinder, Haus mit Garten, schnelles Auto, tolle Urlaube. Natürlich sind es, zumindest in den meisten Fällen, unsere eigenen Wünsche, für die wir hart arbeiten. Der eine mit mehr, der andere mit weniger Erfolg. Wir machen uns Druck, denken in Zahlen, Fakten und »Was wäre Wenn«s. Das Leben ist durchgeplant und wir neigen dazu, immer alles perfekt erledigen zu wollen.

Doch was ist, wenn uns das überhaupt nicht glücklich macht? Wenn wir irgendwann alles erreicht haben und merken, dass wir auf dem Weg dorthin so vieles verpasst haben? Oder wenn wir merken, dass wir einfach niemals ans Ziel kommen, egal wie sehr wir uns anstrengen?

Wir Menschen sind wie ein Fass, hat eine Psychologin mal erklärt. Aus dem Hahn tropft permanent Glück und Energie, weil wir im Alltag permanent Stress haben, unter Druck stehen und natürlich auch jeder Menge negativer Einflüsse ausgesetzt sind. Damit das Fass nicht irgendwann komplett leer ist, was sich dann schlecht auf unsere Gesundheit sowie unsere Gedanken- und Gefühlswelt auswirkt, müssen wir das Fass mit schönen Dingen füllen. Für mich sind das zum Beispiel kleine Auszeiten mit einem guten Buch oder eine Tasse Kaffee auf der Terrasse. Wieder andere machen Yoga oder orientieren sich an »Hygge«. Die »Lehre zum dänischen Glücklichsein« erlebt ja gerade einen Boom. Und wenn es jemandem hilft, eine der zahlreichen Wohlfühl- und Entspannungsapps zu nutzen, die gerade ebenfalls stark im Trend sind, dann auch gerne das.

Im Austausch mit anderen Bloggern, mit Freunden und Bekannten, mit »Leuten meiner Generation« merke ich tatsächlich immer wieder, dass auch generell ein langsames Umdenken stattfindet und dass sie auf ihrem Weg irgendwann ihre perfekt ausgearbeiteten Lebenspläne aufgegeben haben, weil sie zu einem gewissen Zeitpunkt an einer »Kreuzung« standen und sich gefragt haben, ob es nicht vielleicht doch noch eine andere Richtung gibt. Weil sie zum Beispiel gemerkt haben, dass der Job, für den sie immer so brennen wollten, nicht der Job ist, der sie ausfüllt und zufrieden macht. Oder dass sie keine Lust haben, ihr Leben lang für ein Haus zu schuften. Vielleicht sehnen sie sich nach einer dörflichen Gegend, obwohl sie immer gerne in der Stadt gewohnt haben. Die Liste an Möglichkeiten ist endlos und die Gedanken dazu sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Im Vorfeld zu diesem Artikel habe ich ein paar Leute ausführlicher befragt und auch bei Instagram habe ich eine Umfrage gestartet. Ich habe gefragt, ob der Weg, den sie gewählt haben, sie glücklich gemacht hat. Dabei sind natürlich ganz unterschiedliche Antworten herausgekommen. Die meisten haben aber definitiv ein, zwei Umwege genommen, sind an der Kreuzung irgendwann in eine andere Richtung abgebogen und fürs Erste am, für sie richtigen, Ziel angekommen. In einem Punkt waren sich allerdings alle einig:

Das Leben macht, was es will, und egal, wie sehr wir uns anstrengen und wie sehr wir versuchen alles zu planen, es durchkreuzt diese Pläne und schreibt damit ganz neue und eigene Geschichten. Geschichten, die das Leben wiederum perfekt machen, weil es Dinge und Momente sind, an die wir uns gerne erinnern. Und selbst wenn es manchmal nicht gleich beim ersten Anlauf gut läuft, dann macht uns das aber stärker und weiser und wir nehmen daraus Erfahrungen mit.

Natürlich sollen wir Wünsche, Ziele und Träume haben und diese auch anstreben, aber wir sollten uns selbst den Druck nehmen, alles perfekt erledigen zu wollen, und mehr auf unser Herz und unser Bauchgefühl hören, denn am Ende zählt nur, dass wir zufrieden sind und, wenn wir alt sind, auf unser Leben zurückblicken und sagen können: Schön war‘s!!!

Wir müssen nicht perfekt sein! Aber wir sollten glücklich sein!

Wie komme ich überhaupt auf dieses Thema und was hat der Hashtag zu bedeuten?

Im zweiten Roman von K.A. Tucker geht es um Livie, die bereits seit ihrer Kindheit weiß, dass sie einmal Ärztin werden möchte. Sie war ihr Leben lang vernünftig, reifer als manch Erwachsener und bestrebt, alles zu erreichen, was sie sich vorgenommen hat. Doch dann durchkreuzt das Leben Livies Plan und sie erkennt nicht nur, dass der Job, für den sie so hart arbeitet, gar nicht unbedingt das ist, was sie will, sondern auch, dass das Leben Spaß machen kann und so viel mehr zu bieten hat, wenn man mal über den Tellerrand blickt und den perfekt vorgezeichneten Weg verlässt. Sie sieht, dass es die Umwege sind, die das Leben bunt und schön und glücklich machen und sie erkennt dass »perfect« eben »not happy« sein muss.

Das sollten wir uns alle dringend immer wieder sagen. Und wir sollten zwischendurch immer wieder mal hinterfragen, ob das, was wir gerade tun, etwas ist, das uns zumindest zufriedenstellt oder, ob es uns runterzieht. Und wenn Letzteres der Fall ist, dann sollten wir es wagen, wir sollten mutig sein und einfach anders abbiegen!

Ein Beitrag von Ina von www.inas-little-bakery.blogspot.com