DIE LÜGNER UM DICH – WARUM TIEFE FREUNDSCHAFTEN WIRKLICH WICHTIG SIND

In dem Roman „Die Lügner“ von Kate Weinberg spielen Freundschaften eine große Rolle. Jemanden in seinem Leben zu haben, dem man vertrauen kann, dem man alles sagen kann und der stets ehrlich zu Einem ist. Das ist vor allem heute, in einer Welt der Schnelllebigkeit und des Wandels wichtiger denn je.


Doch wie erkennt man gute Freunde? Und woher weiß man, ob jemand mit offenen und ehrlichen Karten spielt? Leider oft erst, wenn es bereits zu spät ist.


Beim Lesen hat mich diese Frage direkt getriggert – aber lasst mich am Anfang starten.


Ich hatte diese Freundin. Sie erzählte Geschichten über Geschichten. Es ist sehr lange her und doch denke ich manchmal an sie und mir fällt es sehr schwer zu unterscheiden, welche ihrer Geschichten wahr und welche gelogen waren. Es waren viele. Viele über schlimme Sachen, die jemand gemacht haben soll und die sie gemacht hat. Gute Dinge, die sie erlebt hat und wieder einmal machen möchte. Es war anstrengend, ihr zuzuhören. Allein wegen der Tatsache, nicht zu wissen, welche Geschichte wirklich passiert ist und welche nicht. Nach ein paar Jahren kamen dann allerdings tatsächlich die Tatsachen ans Licht und die Lügen wurden wie beim Lesen eines Thrillers Schritt für Schritt aufgedeckt. Jede Seite eine neue Lüge, eine weitere Geschichte, die nicht stimmte – und dennoch waren wir sehr gute Freunde.


Nun, seit ca. 10 Jahren, nicht mehr und ich bin froh darüber. Denn in dieser Zeit habe auch ich oft gelogen. Um mich besser darzustellen und um mit ihr auf gleicher Höhe zu stehen. Aus heutiger Sicht: völliger Unsinn. Denn sie hat dieses „tolle, aufregende“ Leben ja nie gelebt. Aber das wusste ich damals nicht. Heute weiß ich es. Und heute weiß ich auch, wie wichtig Ehrlichkeit ist, was Lügen kaputt machen können und dass es Quatsch ist, sich durch erfundene Geschichten als eine Person auszugeben, die man nicht ist.


Nach dieser Phase habe ich auch zunehmend Freunde „aussortiert“, die Ähnliches gemacht haben. Sprich, die mich ständig anlogen. Das beste Beispiel ist – das kennt sicher jeder irgendwoher – ist, wenn Personen sagen: „Ich habe keine Zeit mit dir in die Stadt zu gehen.“ Und später trifft man sie an diesem Ort mit einer anderen Person. Warum lügen? Man könnte doch einfach die Wahrheit sagen, das ist doch kein Problem. Oder doch?


Menschliche Verhaltensweisen sind spannend und oft unergründlich. Menschen neigen dazu, zu lügen. Es ist ein natürlicher Mechanismus. Man möchte besser dastehen, hat Angst jemanden zu verletzen oder möchte einer unangenehmen Situation entgehen. Ich meine, wie oft haben wir eine Ausrede erfunden, um das ein oder andere nicht machen zu müssen?! Solche Notlügen passieren ständig und genau deshalb sollten wir uns fragen, warum dies so ist. Warum sagen wir ständig JA, obwohl wir eigentlich lieber NEIN sagen würden? Die Wahrheit kann manchmal schmerzhaft sein, doch meiner Meinung nach ist sie die richtige Alternative. Lügen kommen meistens ans Licht und der Schaden, der mit einer Lüge angerichtet wurde, ist oft schlimmer als die zunächst schmerzhafte, aber immerhin aufrichtige Wahrheit.


Nachdem wir nun so viel über die Lügner gesprochen haben, möchte ich euch nun von tiefen, guten Freundschaften erzählen. Es ist nicht immer einfach gut zu sein, das ist mir klar, aber ich möchte es sein. Ich möchte „die Gute“ sein und ich möchte die Freunde, die ich habe, bedingungslos unterstützen. Meine Freunde sind meine Familie und ich liebe sie, wie sie sind. Eine tiefe Freundschaft baut auf Vertrauen, Ehrlichkeit, Loyalität und Treue. Füreinander da zu sein, in dunklen und hellen Stunden. Werte, die dafür da sind, eingehalten zu werden. Ich würde für jeden meiner Freunde alles stehen und liegen lassen. Wenn es ihnen schlecht geht, bin ich da, um sie zu trösten und wenn es ihnen gut geht, bin ich da, um sie zu feiern. Das ist für mich Freundschaft. Alles von sich in eine Beziehung zu geben und nichts als Gegenleistung zu erwarten.


Nur Ehrlichkeit.

Ein Beitrag von Jessie von Misspaperback